Kirschmichel aus alten Brötchen: so wird der Kirschauflauf schön luftig

Kirschmichel aus alten Brötchen: so wird der Kirschauflauf schön luftig

Der Kirschmichel gehört zu den traditionellen Rezepten der deutschen Hausmannskost, die aus der Not eine Tugend machen. Dieses Auflauf-Dessert, eine Art süßer Brotauflauf, verwandelt altbackene Brötchen in eine köstliche Nachspeise. Die Kombination aus saftigen Kirschen und luftiger Eiermilch macht diesen Klassiker zu einem wahren Gaumenschmaus. Besonders in Süddeutschland und im Rheinland erfreut sich der Kirschmichel großer Beliebtheit. Das Geheimnis seiner luftigen Konsistenz liegt in der richtigen Zubereitung der Eier-Milch-Mischung und der Einweichzeit der Brötchen.

25

45

facile

Zutaten

Personen +

Utensilien

Zubereitung

1. Die Brötchen vorbereiten

Schneiden Sie die altbackenen Brötchen in etwa 1 zentimeter dicke Scheiben oder Würfel. Je kleiner die Stücke, desto besser können sie die Flüssigkeit aufnehmen. Legen Sie die Brotscheiben in eine große Schüssel und stellen Sie diese beiseite.

2. Die Milchmischung zubereiten

Erwärmen Sie die Milch in einem Topf, aber bringen Sie sie nicht zum Kochen. Die Milch sollte lauwarm sein, damit sich die Zutaten gut verbinden. Gießen Sie die warme Milch über die Brotstücke und lassen Sie alles etwa 15 minuten ziehen. Die Brötchen müssen die Flüssigkeit vollständig aufsaugen und weich werden.

3. Die Eier trennen

Trennen Sie die Eier vorsichtig. Das Trennen bedeutet, dass Sie das Eigelb vom Eiweiß separieren. Geben Sie die Eigelbe in eine Schüssel und die Eiweiße in eine zweite, saubere und fettfreie Schüssel. Dieser Schritt ist entscheidend für die luftige Konsistenz.

4. Die Eigelbmasse herstellen

Verrühren Sie die Eigelbe mit 60 gramm Zucker und dem Vanillezucker zu einer cremigen Masse. Schlagen Sie so lange, bis die Mischung hell und schaumig wird. Fügen Sie den Zimt hinzu und vermischen Sie alles gut. Diese Masse gibt dem Auflauf seinen charakteristischen Geschmack.

5. Den Eischnee schlagen

Schlagen Sie die Eiweiße mit einem Schneebesen oder einem Handrührgerät steif. Fügen Sie dabei nach und nach die restlichen 20 gramm Zucker hinzu. Der Eischnee ist fertig, wenn er fest ist und Spitzen bildet, die nicht mehr zusammenfallen. Dies ist das Geheimnis für die luftige Textur.

6. Die Kirschen vorbereiten

Gießen Sie die Kirschen in ein Sieb und lassen Sie sie gut abtropfen. Fangen Sie den Kirschsaft in einer Schüssel auf, er kann später für eine Sauce verwendet werden. Tupfen Sie die Kirschen vorsichtig mit Küchenpapier trocken, damit der Auflauf nicht zu feucht wird.

7. Alle Zutaten verbinden

Geben Sie die Eigelbmasse zu den eingeweichten Brotstücken und vermischen Sie alles gründlich. Heben Sie dann vorsichtig den Eischnee unter. Unterheben bedeutet, dass Sie mit einem Teigschaber von unten nach oben arbeiten, damit der Eischnee nicht zusammenfällt. Zum Schluss fügen Sie die abgetropften Kirschen hinzu und verteilen Sie sie gleichmäßig.

8. Die Auflaufform vorbereiten

Fetten Sie eine Auflaufform großzügig mit Butter ein. Streuen Sie die Semmelbrösel in die Form und schwenken Sie sie, sodass der Boden und die Ränder gleichmäßig bedeckt sind. Die Brösel verhindern das Ankleben und sorgen für eine knusprige Kruste.

9. Den Kirschmichel backen

Heizen Sie den Backofen auf 180 grad Celsius Ober- und Unterhitze vor. Füllen Sie die Brotmasse in die vorbereitete Form und streichen Sie die Oberfläche glatt. Verteilen Sie die restliche Butter in kleinen Flöckchen auf der Oberfläche. Backen Sie den Auflauf etwa 45 minuten, bis er goldbraun ist und die Oberfläche leicht knusprig wird.

10. Abkühlen und servieren

Lassen Sie den Kirschmichel nach dem Backen etwa 10 minuten in der Form ruhen. Er festigt sich dadurch und lässt sich besser portionieren. Bestäuben Sie die Oberfläche mit Puderzucker und servieren Sie den Auflauf noch warm. Er schmeckt am besten lauwarm, wenn die Konsistenz schön cremig ist.

Klara

Tipp vom Chefkoch

Um den Kirschmichel besonders luftig zu bekommen, achten Sie darauf, dass die Schüssel für den Eischnee absolut fettfrei ist. Selbst kleinste Fettreste verhindern, dass die Eiweiße steif werden. Ein Tropfen Zitronensaft im Eischnee stabilisiert ihn zusätzlich. Wenn Sie keine altbackenen Brötchen haben, können Sie frische Brötchen über Nacht an der Luft trocknen lassen oder sie kurz im Backofen bei niedriger Temperatur anrösten. Der Kirschmichel schmeckt auch hervorragend mit anderen Früchten wie Pflaumen, Aprikosen oder Blaubeeren. Für eine besondere Note können Sie etwas abgeriebene Zitronenschale zur Eigelbmasse geben.

Die perfekte Begleitung zum Kirschmichel

Zum warmen Kirschmichel passt hervorragend eine Vanillesauce oder ein Klecks Schlagsahne. Als Getränk empfiehlt sich ein Glas kalte Milch für Kinder oder ein süßer Dessertwein für Erwachsene. Ein Spätburgunder Eiswein aus Deutschland harmoniert wunderbar mit den fruchtigen Kirschen. Alternativ passt auch ein Kirschlikör oder ein Amaretto, der die Mandelnoten unterstreicht. Für eine alkoholfreie Variante eignet sich ein Kirschsaft oder ein heißer Früchtetee mit Vanillenote.

Zusätzliche Info

Der Kirschmichel ist ein traditionelles Gericht der deutschen Resteverwertung und stammt vermutlich aus dem 19. Jahrhundert. Der Name Michel ist eine volkstümliche Bezeichnung, die in vielen regionalen Gerichten auftaucht. Ursprünglich war dieser Auflauf eine Arme-Leute-Essen, da er aus preiswerten Zutaten bestand, die in jedem Haushalt vorhanden waren. Altbackenes Brot wegzuwerfen galt als Verschwendung, weshalb findige Köchinnen kreative Rezepte entwickelten. In verschiedenen Regionen Deutschlands gibt es Varianten dieses Gerichts unter Namen wie Ofenschlupfer, Scheiterhaufen oder Semmelauflauf. Die Kirschvariante ist besonders in der Pfalz und im Rheinland verbreitet, wo Kirschen traditionell angebaut werden. Heute erlebt der Kirschmichel eine Renaissance als Comfort Food, das Kindheitserinnerungen weckt und gleichzeitig zur Nachhaltigkeit beiträgt.

Drucken

×
WhatsApp-Gruppe